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REISEFINDER
LANDESKUNDEFläche: 2.240.000 km²
Charles Montague Doughty, In Arabiens Wüsten (1996), 268Von der großen Menschlichkeit der Semiten der Wüste aus antiken Tagen findet sich ein Widerschein in jedem Abenteuer, nach dem der Mann, der es besteht, bereit sein wird, mit den Arabern seinen Frieden zu machen, sobald er sie kennen gelernt hat. Der finstere wahhabitische Fanatismus hat heutzutage das Gemüt der Nomaden verkümmert, aber jedes Beduinenzelt ist eine Freistatt im Lande Ismaels. Wenn der Ausländer auf fremde Nomadenhütten trifft, so soll er nur getrost nähertreten, denn man wird ihn empfangen. ... In den Oasendörfern geht es gefährlicher zu: am Anfang waren es einfache Ansiedlungen der Beduinen, doch die uralten Bräuche der Wüste verkamen darin; in den Seelen ihrer Bewohner wuchert der Fanatismus. |
Zwei Wesenszüge scheinen die Einwohner des größten Landes der Arabischen Halbinsel besonders zu kennzeichnen: ein steiles, petro-dollar-geschwängertes Selbstbewußtsein und der Verlust ihrer kulturellen Identität. In der Tat hat die Ausbeutung der riesigen Ölvorkommen seit den 1930er Jahren aus nomadisierenden Kamelhirten binnen kürzester Zeit schwerreiche Finanzjongleure an den Börsen der internationalen Geschäftswelt gemacht und eine nach unseren Maßstäben archaische Gesellschaft in die Gegenwart katapultiert. Doch diese Metamorphose trifft allein auf die Gewinner eines jahrhundertealten, oft mörderischen Machtkampfes um die wenigen Brunnen und Oasen in den Wüsten des zentralen Arabien zu. Der Aufstieg der aus dem Nadjd stammenden Sa’ud-Familie zur unumschränkten Macht wurzelt in einem religiösen Streiter des 18. Jahrhunderts, Muhamad ibn ‘Abd al-Wahhab, der besonders den schiitischen „Heiligenkult“ als Abkehr von der reinen Lehre brandmarkt und die kompromißlose Rückkehr zu Allah als alleiniger göttlicher Instanz predigt. Muhamad ibn Sa’ud, bis dato einfacher Stammesführer, macht die Verbreitung des Puritanismus al-Wahhabs zu seiner persönlichen Aufgabe und zur Grundlage seines politischen Führungsanspruchs: Seit dem Tod al-Wahhabs 1792 führen die Sa’uds sogar den Titel „Imam“ (Vorbeter) als Ausdruck ihrer nunmehr auch religiösen Autorität.
Allerdings bewahren allein die sprudelnden Ölquellen die an sich mittellosen, inzwischen von den Einnahmen aus dem Pilgerverkehr nach Makka abhängigen Sa’ud vor dem finanziellen Kollaps. Die Erdölmilliarden werden von den Nachfolgern ‘Abd al-’Aziz’ klug zum Machterhalt eingesetzt. Von unzufriedenen Erzkonservativen, der benachteiligten schiitischen Minderheit oder im Ausland geschulten Technokraten initiierte Unruhen beantworten die Sa’ud einerseits mit gnadenloser Strenge, andererseits mit teuren Entwicklungsprogrammen für vernachlässigte Regionen.
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