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REISEFINDER
Henno Martin, Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste„Die Sonne senkte sich nach Westen, die roten Dünen glühten wie geschmolzenes Eisen. Langsam liefen die Schatetn in den Schluchten zusammen, steigen wie dunkles Wasser an den Wänden empor und flossen in die flachen Mulden. Die weiten Flächen glichen gewaltigen Teppichen mit samtenen Falten, gesäumt von den Spitzenmustern gezackter Schiefergrate, die nach allen Seiten in die dunklen Schluchten abfielen.“ |
Dass in Namibia heute 2 Millionen Menschen leben, grenzt an ein Wunder. Die südwestafrikanische Republik besteht fast ausschließlich aus Wüsten bzw. Halbwüsten und zählt zu den wasserärmsten Ländern der Erde. Entlang der Atlantikküste verläuft die extrem lebensfeindliche Namib, die aufgrund ablandiger Winde und wegen des kalten Benguela-Meeresstroms so gut wie keine Niederschläge empfängt. Das westliche Landesdrittel beherrscht die tiefsandige Kalahri. In den zentralen Hochebenen mit der Hauptstadt Windhoek erlauben sporadische Regenfälle immerhin eine extensive Viehhaltung, während der Norden als einzige Region auch Trockenfeldbau zulässt. Dort, an der Grenze zu Angola, verlaufen die Flüsse Kunene und Okavango. Ganzjährig Wasser führend ist ansonsten nur noch der Oranje, der die Grenze zu Südafrika markiert. Allerdings liegt er in voller Breite auf südafrikanischem Territorium, sodass die Wasserquoten jährlich mit dem südlichen Nachbarn ausgehandelt werden müssen.
Heute ist die Swapo Regierungspartei eines seit 1990 unabhängigen Staates. Unter dem Motto „Ein Namibia – eine Nation“ ist es ihr gelungen, den Transformationsprozess von einer rassistischen Gesellschaft zu einem demokratisch und marktwirtschaftlich orientierten Gemeinwesen ohne größere Brüche voranzutreiben. Wie erfolgreich diese Entwicklung verlief, zeigte sich zuletzt 2004, als innerhalb eines Jahres Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen stattfanden und es dennoch zu keinerlei nennenswerten Unregelmäßigkeiten oder Störungen des Wahlverlaufs kam. Dessen ungeachtet ist die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen dem neuen Reichtum der Führungselite und der Armut wachsender Teile der Bevölkerung nicht kleiner geworden.
Die drängendsten Probleme Namibias betreffen jedoch stets Umweltfragen. Zu heftigen Kontroversen führte etwa die Absicht der Regierung, den Grenzfluss Kunene bei den Wasserfällen von Epupa aufzustauen, um dort ein Kraftwerk zu betreiben. Ziel war die Lockerung der Abhängigkeit von Energielieferungen aus Südafrika. Allerdings wäre dem ehrgeizigen Staudamm-Projekt ein Großteil des Siedlungsgebiets der Himba zum Opfer gefallen. Dieses kleine Nomadenvolk hat seine sehr traditionellen Lebensformen weitgehend bewahrt und über Generationen hinweg ein System entwickelt, das die Weiderouten und die jahreszeitlich wechselnde Nutzung des Bodens regelt. Die drohende Entwurzelung der Himba schlug auch international derart hohe Wellen, dass sich am Ende kein Geldgeber fand und die Verantwortlichen ihre Staudammpläne schließlich ad acta legten.
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