Nomad - Reisen zu den Menschen
OMAN | ARABIEN | AFRIKA | ASIEN | INFO | BLOG
06591 / 94 99 80

Wir rufen Sie auch gerne zurück. Bitte hinterlassen Sie uns Ihren Namen und Ihre Telefonnummer.





Oder schreiben Sie uns eine Email:
Mail an Nomad-Reisen >>

  KYR
zurück zur Länderinfo

Länderkarte Kyrgystan

Die landschaftlich wohl schönste der zentralasiatischen Republiken empfängt ihre Besucher mit malerischen Gebirgsansichten. Den größten Teil des Landes beherrschen die z. T. mehr als 7.000 Meter aufragenden Gipfel des Tien Shan, die Grenze zu Tadjikistan im Süden markiert die Bergkette des Alai. Dazwischen liegen die Hochweiden, die früher die wichtigste Lebensgrundlage der vorwiegend nomadischen Bevölkerung bildeten.

Dorthin zog es im 19. Jahrhundert auch deutschstämmige Mennoniten, die damit den Grundstein zu den deutsch-kirgisischen Beziehungen legten. Allerdings herrscht im deutschen Sprachgebrauch oftmals Unklarheit über die korrekte Übersetzung des Landesnamens. Die Bezeichnung Kirgisien lehnt sich an den noch von den Zaren eingeführten russischen Begriff Kirgisija an und wird seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 nicht mehr gern gehört. Mit der Umbenennung in Kyrgysstan – die Endung „-stan“ geht auf persische Ursprünge zurück und bedeutet „Land“ – betonen die Kirgisen ihre kulturelle Verwandtschaft zu den anderen turksprachigen Ländern der Region. Die deutsche Variante Kirgistan klingt zwar ähnlich, ist tatsächlich aber eine Verkürzung und hieße wörtlich übersetzt „Land der Kirgen“. Wer den Kirgisen dieses ersparen will, spricht daher korrekterweise von Kirgisistan.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion galt die kleine Republik im Vergleich zu ihren zentralasiatischen Nachbarstaaten zunächst als eine Art Leuchtturm der Demokratie. Doch entpuppte sich ihr erster Präsident Askar Akajew, vormals Staatspräsident der Kirgisischen SSR, als zunehmend autoritärer Alleinherrscher, der versuchte, seine Macht durch Korruption, Vetternwirtschaft, manipulierte Wahlen und Unterdrückung der Opposition zu sichern. Auch gelang es ihm weder, die verschiedentlich auftretenden Spannungen zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit noch die anhaltende Wirtschaftsschwäche des Landes abzubauen. Denn im Gegensatz zu den meisten übrigen Staaten der Region verfügt Kirgisistan über nur unbedeutende Gas- und Erdölressourcen. Die vorhandenen Goldvorkommen befinden sich vorwiegend in ausländischer Hand und tragen ebenfalls kaum zum Volkseinkommen bei.

Am 24. März 2005, nach einer wieder einmal gefälschten Wahl, gehen die Menschen zu Tausenden auf die Straße und bleiben dabei weitgehend gewaltlos. Für Zentralasien, das so oft blutige Umstürze erlebt hat und wo Demokratie bestenfalls als Fernziel beschworen wird, ist das ein beispielloser Vorgang. Die Kirgisen betreten dieses Neuland eher unbewusst. Inspiriert von den friedlichen Revolutionen in Georgien und der Ukraine zwingen sie Askar Akajew, seinen Posten zu räumen. Er flieht ins Ausland. Auf seinem Nachfolger, dem Oppositionspolitiker und ehemaligen Premierminister Kurmanbek Bakijew, ruhen nun alle Hoffnungen. Insbesondere wird von ihm erwartet, dass er dem Parlament mehr Rechte einräumt.

Er erfüllt die Hoffnungen nicht. Jetzt rächt sich, dass der Aufstand weitgehend unorganisiert war und die Opposition nach dem Verschwinden des gemeinsamen Gegners auseinanderbrach. Doch noch einmal ergreift die Bevölkerung überraschend die Initiative. Als klar wird, dass der neue Präsident seine Versprechen nicht einlöst, zwingen ihn erneute Massenproteste, im November 2006 einen Verfassungsentwurf zu unterschreiben, der seine eigenen Befugnisse einschränkt und die Stellung des Parlaments stärkt. Später gelingt es ihm allerdings, diese Zugeständnisse zurückzunehmen. Bei den Wahlen im Dezember 2007 erringt seine Partei fast alle Parlamentssitze. Unabhängige Wahlbeobachter nennen den Urnengang unfair. Der größten Oppositionspartei des Landes werden aufgrund einer fragwürdigen Formalie sämtliche Stimmen aberkannt.

Kirgisistan, so scheint es, ist wieder da, wo es am Ende der Präsidentschaft Askar Akajews stand. Die Republik ist immer noch eines der ärmsten Länder der Erde. Von seinen 5 Mio. Einwohnern leben rund 40% unterhalb der Armutsschwelle, der Durchschnittslohn beträgt nicht mehr als 40 US-Dollar im Monat, und zu Tausenden suchen kirgisische Arbeiter ihr Heil in Russland, Kasachstan und Europa. Indessen soll die Schattenwirtschaft fast 50% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Die Erzeugung von Elektroenergie auf der Basis von Wasserkraft, der einzigen überreich vorhandene Ressource des Landes, leidet unter Einnahmeausfällen durch Diebstahl, unbezahlte Rechnungen und Korruption. In den Straßen der Hauptstadt Bishkek und anderswo diskutieren die Leute darüber, ob die so genannte Tulpenrevolution vom März 2005 überhaupt eine Revolution war oder ob nicht einfach ein Wahlfälscher den nächsten abgelöst hat. Ehemalige Weggefährten des Präsidenten werfen diesem vor, das Parlament genauso wie sein Vorgänger in die Tasche gesteckt zu haben.

Immerhin: Es wird noch diskutiert, es werden noch Vorwürfe erhoben, das Land verharrt nicht in Lethargie, obwohl die Lust zum Protestieren deutlich nachgelassen hat. Nach Jahren der politischen Auseinandersetzung, in denen die Zentralregierung im Wesentlichen damit beschäftigt war, ihre Macht zu konsolidieren, ist es nun an Kurmanbek Bakijew, der Bevölkerung wieder ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln und ihr den Glauben daran zurückzugeben, dass die Revolution tatsächlich etwas bewirkt hat. Dazu bedarf es allerdings mehr, als – wie im Dezember 2007 geschehen – der Marketingidee einer schwedischen Logistikgruppe zu folgen und einen der vielen noch namenlosen Gipfel des Landes Santa Claus zu taufen. Der Weihnachtsmann jedenfalls wird kaum dabei helfen, die Kirgisen wieder in der sprichwörtlichen großen Jurte zu vereinen.

 

.
KONTAKT


Mo-Fr 10:00 - 13:00
und 14:00 - 17:30

Tel. 06591/94998-0
Mail an nomad

#