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REISEFINDER
Antoine de Saint-Exupéry, Wind, Sand und Sterne„Als ich durch die Wüste mit dem Tod um die Wette ging, habe ich wieder einmal einer Erkenntnis gegenübergestanden, die dem Kopf so schwer eingehen will. Ich habe mich verloren gegeben, ich glaubte, in den Abgrund der Verzweiflung zu stürzen; aber ich brauchte nur zu verzichten, um Frieden zu finden. Der Mensch muß wohl solche Stunden erleben, um sich selbst zu finden und sein eigener Freund zu werden. Das, worauf es im Leben am meisten ankommt, können wir nicht voraussehen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat. Diese Sternstunden aber lassen eine so tiefe Sehnsucht im Herzen zurück, daß manche Menschen Heimweh nach ihren trübsten Zeiten fühlen, wenn diesen ihre Freuden entsprossen sind.“ |
„Die nomadische Lebensweise in der Sahara ist nicht allein auf Viehzucht beschränkt. Vielmehr steht sie für eine traditionsreiche Kultur, geprägt durch eine eigene Literatur – eine mündliche natürlich, aber dennoch vorhanden – und eine eigene Kunst – ein wenig geometrisch vielleicht, aber trotzdem Kunst.“
Dennoch gab er sich keinen romantisierenden Vorstellungen hin, auch und gerade im Hinblick auf die nomadische Bevölkerung. „Der Nomade“, schrieb er 1990, „war den Zentralverwaltungen und Regierungen immer schon ein Dorn im Auge, weil er ein freier Mensch ist und als solcher für die Behörden eine Zumutung darstellt“. In dieser Unvereinbarkeit mit den Normen der Sesshaften erkannte er die wesentliche Gefahr für die saharischen Hirtenkulturen. Heute ist von einer ganz anderen Bedrohung die Rede: Die Sahara, so die Befürchtung, verschlingt nach und nach die uralten Bibliotheken, die die Oasen des mauretanischen Adrar N’ahnet einst zu weithin geachteten Horten der Weisheit gemacht hat. "Das Wissen ist ein Schatz, der nicht kleiner wird, wenn man ihn mit anderen teilt", steht über der Tür einer solchen Privatbibliothek in Chinguetti. Der ehemals wichtige Karawanenknotenpunkt gilt als siebtheiligste Stadt des Islam und genießt gemeinsam mit einigen Nachbar-Oasen den Status eines Weltkulturerbes. Den Wüstensand beeindruckt das wenig: Er rückt den traditionsreichen Orten hartnäckiger denn je zu Leibe und macht dabei auch vor Jahrhunderte alten Koranabschriften auf Gazellenhaut keinen Halt. Für Théodore Monod erlangte Chinguetti eine fast schon schicksalhafte Bedeutung. Er, der 1928 als erster Europäer das Adrar N’ahnet durchquerte, kehrte noch im hohen Alter wiederholt hierher zurück, um einen enormen Meteoriten aufzuspüren, den ein französischer Offizier 1916 in der Umgebung von Chinguetti angeblich entdeckt haben wollte. Am Ende musste sich Monod die Vergeblichkeit seiner Bemühungen eingestehen: „Die ganze Geschichte basiert auf nichts weiter als der Verwechslung einer ganz normalen Felsformation mit einer vermeintlichen Meteoritenmasse.“ Bei alledem war er sich stets im Klaren darüber, dass seine Art zu forschen bald schon der Vergangenheit angehören würde. Sich selbst bezeichnete er gern als letzten Saharareisenden der Kamelepoche und hegte keinen Zweifel daran, dass neue Untersuchungsmethoden und insbesondere neue Möglichkeiten der Fortbewegung Kamelwanderer wie ihn rasch überflüssig machen würden.
Hintergrundbericht Mauretanien
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