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Länderkarte Tadjikistan


Echtes Demokratieverständnis ist nicht die Sache des Präsdenten der Republik Tadjikistan Emomali Rahmonovs Sache. Seit der gelernte Elektriker und frühere Baumwollfarmer 1992 zum Vorsitzenden des Obersten Sowjet Tadjikistans gekürt wurde, hat er seine Macht konsequent verteidigt. Er gewann die Präsidentschaftswahlen 1994 und wiederholte seinen Erfolg im November 1999, kurz nachdem eine Verfassungsänderung die Amtszeit des Staatsoberhauptes auf sieben Jahre verlängert hatte. 2006 wurde er zum dritten Mal Präsident in einer Wahl, die von internationalen Beobachtern weder als frei noch als fair bezeichnet wurde. Entsprechend boykottierte die Opposition den Urnengang und sprach von einer demokratischen Farce im Sowjetstil.


In den westlichen Medien war das kein Thema. Auch der Bürgerkrieg, der Tadjikistan nur wenige Monate nach seiner Unabhängigkeit am 9. September 1991 fünf Jahre lang verheerte und rund 50.000 Todesopfer forderte, fand hierzulande kein nennenswertes Echo. Ausgelöst wurde er durch Spannungen zwischen der moskautreuen Regierung unter dem damaligen Präsidenten Nabijew und einer starken nationaldemokratisch-religiösen Opposition, die sich zur Vereinigten Tadjikischen Opposition (UTO) zusammenschloss. Erst durch russische und iranische Vermittlung kam es 1994 zu einem Waffenstillstand, der 1997 in ein Abkommen über Frieden und Nationale Versöhnung mündete.


Grunddaten


Quelle: Dr. Andrea Schmitz, Studie zum Thema Tadjikistan im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2004

(http://library.fes.de/pdf-files/iez/01936.pdf)


Tadjikistan ist die kleinste der fünf Republiken im postsowjetischen Zentralasien. Mit einer Fläche von 143.100 Quadratkilometern ist das Land etwa so groß wie Griechenland. 90 % des Staatsgebiets sind Gebirge bzw. aride Hochebenen, wobei allein das Pamir-Gebirge etwa die Hälfte des Territoriums einnimmt. Nur 7 % des Landes eignen sich für die landwirtschaftliche Produktion. Dies sind überwiegend fruchtbare Flusstäler, in denen v. a. Baumwolle, aber auch Getreide sowie Obst und Gemüse angebaut werden. Diese Gebiete sind dicht besiedelt. Hier leben drei Viertel der Gesamtbevölkerung, die rund 7 Millionen beträgt und neben der Tadjikischen Mehrheit (ca. 65 %) auch Uzbeken (ca. 25 %) und Russen (ca. 3,5 %), Kirgisen und Tataren (zusammen ca. 4 %) sowie zahlenmäßig vergleichsweise kleine Roma-Gruppen, die Luli, umfasst.


Die physische Geographie des Landes erschwert nicht nur die Kommunikation, sondern auch die soziale und ökonomische Integration. Zahlreiche abgelegene Gebirgstäler sind zu bestimmten Jahreszeiten von den übrigen Landesteilen aus kaum zugänglich. Die Transportverbindungen zwischen einzelnen Regionen und den Nachbarstaaten sind teilweise besser als die zwischen den einzelnen Regionen untereinander (vgl. hierzu die Reportage von Henryk Alff in der Deutschen Allgemeinen Zeitung:

(http://deutsche-allgemeine-zeitung.de/index2.php?option=com_

content&task=view&id=754&Itemid=%2032&pop=1&page=0).


Die Tadjiken, die zur persisch-iranischen Völkerfamilie zählen und deren Sprache dem Farsi in Iran und dem Dari in Afghanistan verwandt ist, bekennen sich ebenso wie ihre zentralasiatischen Nachbarn zum sunnitischen Islam der hanafitischen Richtung. Eine Ausnahme bildet die flächenmäßig größte und wegen ihrer Gebirgslage nur schwer zugängliche Autonome Provinz Bergbadakhshan. Lediglich drei Prozent der Gesamtbevölkerung leben dort. Die Einwohner der Provinz werden als “Pamiris” bezeichnet und heben sich in kultureller Hinsicht stark von den übrigen Tadjiken ab.


Sie gehören zur ismailitischen Richtung der Shi´a und haben altiranische Dialekteigenarten bewahrt. Während der Sowjetzeit wegen der militärisch-strategischen Lage stark subventioniert, litt die Provinz, die wirtschaftlich kaum entwickelt war, nach der Unabhängigkeit in besonderem Maße unter dem Wegfall der Unterstützungsleistungen durch Moskau. Traditionelle, dem Verlauf der Täler folgende Handelsrouten verbinden Bergbadakhshan mit Zentral-Tadjikistan und Afghanistan.


Geschichte


Quelle: Dr. Andrea Schmitz, Studie zum Thema Tadjikistan im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2004

(http://library.fes.de/pdf-files/iez/01936.pdf)


Die Lage an der Seidenstraße brachte der Region schon früh weit reichende wirtschaftliche Impulse. Besonders das Flusstal des Panj an der Grenze zu Afghanistan entwickelte sich zu einem lebhaften Handelsweg. Im Laufe seiner langen Geschichte war das Land Teil verschiedener iranischer und arabisch-islamischer Reiche und wurde im 16. Jahrhundert zwischen den Khanaten Buchara und Kokand aufgeteilt.


Was die jüngere Vergangenheit angeht, ist Tadjikistan in seinen heutigen Grenzen ähnlich seinen zentralasiatischen Nachbarstaaten eine Hinterlassenschaft der Sowjetunion. Der nördliche Landesteil wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts von den Russen erobert. 1921 besetzte die Rote Armee den Rest des Landes, das 1929 den Status einer Sowjetrepublik erhielt.


Mit der russischen und sowjetischen Herrschaft hat sich eine klare Nord-Süd- Differenz herausgebildet. Während sich die nördliche Privinz Leninanbad (Soghd) durch Industrialisierung, Anschluss an die Transkaspische Eisenbahn und generelle Sowjetisierung rasch entwickelte, blieb der Süden weitgehend agrarisch. In den zwanziger Jahren war der Südteil des Landes Sammlungsgebiet der Basmachi, die gegen die Sowjets und für die Restaurierung des Emirates Buchara kämpften. In diese Zeit datiert die erste große Migrationsbewegung von Tadjiken nach Afghanistan (ca. ¼ der Bevölkerung), der weitere, durch Kollektivierung und erzwungene Umsiedlungen ausgelöste Wanderungsschübe folgten.


In den achtziger Jahren machten sich aufgrund des extensiven Baumwollanbaus im Süden die ersten ökologischen Probleme bemerkbar, v. a. in Gestalt von Wasserknappheit. Gleichzeitig nahmen mit der Rekrutierung von Arbeitern aus den Nachbarrepubliken für den Bau von Wasserkraftwerken und anderen Industrieprojekten in den achtziger Jahren Arbeitslosigkeit und Armut unter den Tadjiken zu. Es bildeten sich kriminelle Netzwerke heraus, die illegale ökonomische Aktivitäten kontrollierten und dabei vielfach von staatlichen Funktionsträgern gedeckt wurden, die ebenfalls profitierten. Die damit einhergehende Korruption unterminierte Legitimität und Kontrolle der Regierung und führte zur de-facto-Autonomisierung einzelner Regionen unter der Führung von politischen und ökonomischen Unternehmern. In dieser Zeit, d.h. in den achtziger Jahren, entstanden denn auch die ersten politischen Oppositionsbewegungen, die im Untergrund operierten, und es kam zu ersten offen aufbrechenden Konflikten um die Allokation staatlicher Ressourcen. Diese Konflikte verschärften sich mit der staatlichen Unabhängigkeit im September 1991. Es kam zu einem Machtkampf zwischen unterschiedlichen Regionaleliten und deren bewaffneten Anhängern, der sich rasch zu einem Bürgerkrieg ausweitete.


Wirtschaft


Quelle: AA LINK:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de

/Laenderinformationen/Tadschikistan/Wirtschaft.html


Tadschikistan ist traditionell die ärmste unter den fünf zentralasiatischen Republiken. Durch die Folgen des verheerenden Bürgerkrieges von 1992 bis 1997 wurde das Land zusätz­lich deutlich zurückgeworfen. Mittlerweile zählt es zu den zwanzig ärmsten Län­dern der Welt (jährliches Pro-Kopf-Einkommen unter 380 US-Dollar). Mindestens zwei Drittel der Bevölke­rung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die tadschikische Regierung hat sich diesen besonderen Herausforderungen gestellt und begegnet ihnen mit anhaltendem Reformwillen. Die halbjährlichen Überprüfungsmissionen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommen regelmäßig zu vergleichsweise positiven Urteilen, insbesondere über die makroökonomische Entwicklung des Landes. In einigen entscheidenden Bereichen, darunter Privatisierung der Großbetriebe und Landreform, steht die Entwicklung allerdings noch in den Anfängen.


Politik


Quelle: AA LINK:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de

/Laenderinformationen/Tadschikistan/Aussenpolitik.html


Wichtigster außenpolitischer Partner ist die Russische Föderation, mit der Tadschikistan eine sicherheitspolitische Partnerschaft unterhält (russische Militärbasis mit ca. 5000 Soldaten). Zunehmende Bedeutung erhält das Verhältnis zu China. Es bestehen aber auch gute Beziehungen zu den USA und der Europäischen Union.

Nachdem destabilisierende Einflüsse aus dem radikal-islamischen Afghanistan lange Zeit das größte sicherheitspolitische Problem dargestellt hatten (1.300 km langen Grenze), reihte sich Tadschikistan unmittelbar nach dem 11. September 2001 in die Anti-Terrorkoalition ein und bot militärische Basen zum Kampf gegen die Taliban und El Kaida an. Zu der Regierung unter Hamid Karzai bestehen freundschaftliche Beziehungen. Im Sinne einer strategischen Südöffnung hofft die tadschikische Regierung auf intensiven Handel, um die wirtschaftliche Umklammerung durch Usbekistan zu lockern.

Zu Usbekistan, das Tadschikistan im Westen und Norden umfängt, besteht ein schwieriges, oft angespanntes Verhältnis (usbekische Verminung ganzer Grenzabschnitte, Behinderung des Reiseverkehrs, Querelen um Strom- und Gaslieferungen sowie um Nutzung der Wasserreserven). Das Verhältnis zu Kirgisistan hat sich normalisiert, nachdem Tadschikistan nach dem Regimewechsel dort zeitweilig die Grenzen geschlossen hatte. Das Verhältnis zu Kasachstan ist ohne Probleme.

Iran ist nicht nur wegen der sprachlichen und kulturellen Verwandtschaft, sondern auch als wirtschaftlicher Partner von Bedeutung. Islamisch-fundamentalistische Beeinflussung lehnt Tadschikistan jedoch entschieden ab. China und auch Indien werden immer stärker als Partner mit geopolitischem Gewicht wahrgenommen.


Ausklang


Tadjikistan verfügt trotz vieler Probleme über ein großes Entwicklungspotential, das oftmals noch nicht ausgeschöpft wird. Erste Schritte werden jedoch unternommen. Das gilt insbesondere für die von den Pamiris bewohnte Autonome Provinz Bergbadakhshan. Dort, in der Provinzhauptstadt Khorog, arbeitet seit März 2006 André Fabian im Rahmen eines Entwicklungshilfe-Projekts der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Seine Einschätzung zeigt, dass die Zukunft des Landes längst begonnen hat: „Überraschend finde ich vor allem die kulturelle Aktivität der Pamiris, die ja zur Glaubensgemeinschaft der Ismaeliten gehören und damit einen anderen Hintergrund als ihre Landsleute im restlichen Teil Tadjikistans haben. Außerdem herrscht hier ein relativ hoher Bildungsgrad. Man ist eher westlich orientiert und die noch in der Planung befindliche University of Central Asia bringt bereits jetzt unabsehbare neue Impulse. Für mich ist es erstaunlich, wie gut sich hier, im Hochgebirgsland an der Grenze zu Afghanistan, alles entwickelt. Noch vor zehn Jahren war dieser Landstrich durch den Bürgerkrieg und die Tatsache, dass die Pamiris als Minderheit verfolgt wurden, am Tiefpunkt.“ (Quelle: Interview von Cornelia Riedel in der Deutschen Allgemeinen Zeitung:

http://deutsche-allgemeine-zeitung.de/index2.php?option=com_

content&task=view&id=860&Itemid=32&pop=1&page=0)


Zu unserer Tadjikistan-Reise „Bam-i Dunya (oder: Dach der Welt), die wir in Zusammenarbeit mit einer örtlichen NGO entwickelt haben, geht es hier

Neben einer ausführlichen Erkundung des Pamir und des Panj-Tales mit Übernachtungen bei Nomaden und in Privathäusern im Geländewagen sind wir für 5-6 Tage mit Dromedaren (!) im Hochland des Pamir unterwegs.

 

 

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